#1 RE: Nachbar und Mitnachbar von Passauer 12.09.2013 13:28

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Liebe Forscherfreunde,

in den Matriken von Zellerndorf finde ich oft den Begriff NACHBAR und MITNACHBAR. Welche Bedeutung haben diese Begriffe? Sind das Mieter und Untermieter?

#2 RE: Nachbar und Mitnachbar von Uschi_B 12.09.2013 14:00

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Hallo Hartmut!
Die Frage kam mir bekannt vor.
topic.php?id=62
Liebe Grüße
Uschi

#3 RE: Nachbar und Mitnachbar von leoderloewe 12.09.2013 16:52

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Ich zitiere aus Reinhard Riepl, "Wörterbuch zur Familien-und Heimatforschung in Bayern und Österreich":

Nachbar ((Mitnachbar,Nachgebauer,.....)

1.) auf dem Land: Dorfgenosse, jedes Mitglied der Dorfgemeinschaft(Gmain, Nachbarschaft).
Später stand die Bez. nicht mehr jedem Dorfbewohner zu, sondern nur den alteingesessenen, vollwertigen mit Nutzungsrechten in der Allmende,
im Unterschied zu den minderberechtigten Dorfbewohnern ohne Grundbesitz, vlg. Bürger, Inwohner ..............

2.) als Schlichter in Streitigkeiten, auch Schätzer, der Vertreter der Obrigkeit.

Leo

#4 RE: Nachbar und Mitnachbar von Leopold Strenn 12.09.2013 16:55

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Es kam viel auf die Matrikenschreiber an. Mir sind schon verschiedene Bedeutungen vorgekommen. H. Weigl schreibt in Zusammenhang mit Markterhebungen von Dörfern in "Die Niederösterreichische Grundherrschaft":

"... sie wurden zu Bürgern. Grundsätzlich (Hervorhebung durch Strenn) waren nur die Besitzer der Häuser im inneren Ortsbereich betroffen, die Besitzer von Gebäuden am Ortsrand wurden des öfteren als Mitbürger bezeichnet und hatten einen geringeren Rechtsstatus. In einigen dieser Orte galten nur die Besitzer der Häuser am Marktplatz als Vollbürger. Zu den Bürgern wurden auch die Familienangehörigen des Hausbesitzers gerechnet: Seine Gattin und seine Kinder: Nicht zu den Bürgern zählten die im Haushalt lebenden [....] Inleute, falls sie nicht eigenständig ein Gewerbe ausübten."

Feigl schreibt "Grundsätzlich", nicht "prinzipiell", d.h., dass andere Usancen üblich sein konnten.

#5 RE: Nachbar und Mitnachbar von Passauer 12.09.2013 22:36

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Hallo Uschi B., Leo (?) und Herr Strenn,

herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten.
Wenn ich das richtig verstanden habe (in Deutschland kennt man den Begriff "Nachbar" nicht in diesem Zusammenhang) hatten Nachbarn in Niederösterreich eine Art Bürgerrecht. Bei Mitnachbarn war dieses Recht eingeschränkt. Oder irre ich mich.

#6 RE: Nachbar und Mitnachbar von Tom Dooley 13.09.2013 06:14

Ich glaube, dass der Begriff Nachbar keine eindeutigen Schlüsse zulässt. Zumeist war hier ein "behauster" Einwohner des jeweiligen Dorfes gemeint. Aber so mancher Pfarrer dachte sich vielleicht etwas anderes dabei. Außerdem war man sich z. B. im 18. Jht. der notwendigen Genauigkeit der Matrikenführung noch nicht so sehr bewusst wie heute. So wie eben einmal "Anna" steht, dann wieder "Anna Maria" und beim nächsten Pfarrer heißt die gleiche Person plötzlich "Marianna" oder "Marie". Auch haben schon viele getaufte Magdalenas plötzlich als Helene geheiratet. Man wird "Leni" gesagt haben und der Pfarrer hat daraus gemacht, was er in gutem Glauben gedacht hat.

Im Regelfall sollte der Nachbar ein Hausbesitzer des Ortes gewesen sein, aber ob da auch spezielle Rechte includiert waren, weiß ich leider nicht - aber alles ist möglich

LG

Thomas

[ Editiert von Tom Dooley am 13.09.13 6:15 ]

[ Editiert von Tom Dooley am 13.09.13 6:15 ]

#7 RE: Nachbar und Mitnachbar von Passauer 14.09.2013 09:39

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Auch Ihnen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.
Zusammenfassend kann ich feststellen, dass die Bezeichnung NACHBAR keine sonderliche Bedeutung hatte.Es ist lediglich ein Hinweis darauf, dass der Betroffene ein Bewohner eines bestimmten Ortes war, ohne eine bestimmte Funktion.

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