#1 NS-Raubgut in Nürnberg - Die Julius Streicher Sammlung von MireilleTrauner 25.09.2016 16:27

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Betrifft: NS-Raubgut in Nürnberg - Die Julius Streicher Sammlung


Bitte an alle Listen und Foren weiterleiten. Danke!



Wien, am 25. September 2016

Sehr geehrte Forschergemeinde!

Heute bitte ich Sie erneut um Ihre wertvolle Mithilfe:

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg ist im Besitz der so genannten „Stürmer- oder Streicher-Bibliothek“, einer Sammlung von rund 10.000 durch Nazi geraubten Büchern. Diese Bibliothek den Rechtsnachfolgern zu restituieren ist der IKG ein besonderes Anliegen. Gleich vorweg möchte ich betonen, dass die Restitution kostenlos erfolgt!

Durch die Veröffentlichung einer Liste Österreichischer Vorbesitzer im September 2015 konnten bereits einige Bücher restituiert werden.

Nun finden Sie eine komplette Liste der Raubopfer unter
http://www.genteam.at/index.php?option=c...mid=149&lang=de

Die Liste ist frei einsehbar - es ist keine Registrierung notwendig.

Da Provenienzforschung in erster Linie Familienforschung ist, bitte ich SIE um Ihre Mithilfe in dieser so wichtigen Angelegenheit.

Ich füge untenstehend ein Schreiben von Mag. Leibl Rosenberg, Beauftragter der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG, bei und bitte Sie, sich mit Forschungsergebnissen und Fragen direkt an ihn zu wenden:
leibl.rosenberg@stadt.nuernberg.de

Mit freundlichen Grüßen,
Felix Gundacker
http://www.GenTeam.eu


Geraubte Schriften nicht nur aus Österreich in der Sammlung IKG


Am 12. März 1938 holte das nationalsozialistische Deutschland Österreich „heim ins Reich“. Damit begann eine nicht endend wollende Leidensgeschichte für die Opfergruppen der Nazis: Juden, Freimaurer, Sinti und Roma, Priester und Gläubige verschiedener christlicher Denominationen, Vertreter und Exponenten der Arbeiterbewegung. Sie wurden entrechtet, gedemütigt, verfolgt, verhaftet, ausgeraubt, vertrieben und ermordet. Bevorzugte Objekte der Begierde der neuen Herren waren Besitztümer und Kulturgüter aller Art:
Gemälde, Skulpturen, Abbildungen, Manuskripte, Schriften, Archivalien, Kunsthandwerkliche Arbeiten, Werkzeuge und Instrumente, Aktien, Kraftfahrzeuge, Möbel und Gebrauchsgegenstände aller Art. Man geht nicht fehl in der Annahme, dass es etwa 600.000 Kunstwerke, Millionen von Schriften aus ganz Europa gewesen sein müssen.

Ein Teil der auch in 514 Orten in Österreich und ganz Europa geraubten Bücher gelangte auf noch unbekannten Wegen zwischen 1933 und 1945 in den Besitz des berüchtigten Gauleiters und sogenannten Frankenführers Julius Streicher nach Nürnberg. Reste davon befinden sich heute noch in der Sammlung IKG (früher auch bekannt als „Stürmer- oder Streicher-Bibliothek“) in der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg. Diese Schriftensammlung von knapp 10.000 Büchern ist Eigentum der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und wurde vor Jahren als Dauerleihgabe der Stadt Nürnberg übergeben. Eigentümer und Besitzer der Sammlung IKG sahen und sehen sich als Treuhänder und haben mit großem Aufwand den mühsamen Weg der Suche nach den Vorbesitzern und der Restitution der Schriften an deren Rechtsnachfolger beschritten. Bislang konnten weit mehr als 700 Schriften an etwa 170 Personen oder Körperschaften in zehn Ländern zurückgegeben werden. Diese Arbeit erfolgt pro bono, ist al so für die Vorbesitzer, deren Familien und Rechtsnachfolger selbstverständlich völlig kostenfrei, anfallende Portokosten für die restituierten Schriften werden von der Stadt Nürnberg getragen.

Die Erforschung der Provenienzhinweise in den Schriften in 25 Sprachen hat über 2200 Vorbesitzer aus Herkunftsorten in Europa und Übersee ergeben. Drei geographische Schwerpunkte haben sich dabei herausgeschält: Nürnberg / Franken, Straßburg / Elsass-Lothringen und Wien / Österreich. Die Restitution geraubter Kulturgüter setzt Provenienzforschung voraus, diese wiederum kann ohne Familienforschung nicht erfolgreich gestaltet werden. Der verantwortliche Beauftragte der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG wendet sich deshalb heute, ein gutes Jahr nach der Aussendung einer ersten Suchliste, ein weiteres Mal an die Genealogen und Historiker aus dem
Mitarbeiter- und Benutzerkreis von GenTeam.eu mit der Bitte um Hinweise, Informationen und Forschungsergebnisse, die zur Feststellung der Vorbesitzer, bzw. deren Erben und Rechtsnachfolger führen könnten. Die hier veröffentlichte Liste enthält trotz größter, langjähriger Bemühungen noch so manche Unrichtigkeiten und Fehlzuschreibungen, viele Spuren und Fragmente.
Es handelt sich um 879 Vorbesitzer aus bisher bekannten 238 Orten in ganz Europa. Eine Liste wie diese ist - wie könnte es anders sein? - auch ein Dokument des Massenraubs, der oft in Massenmord mündete.

Viele Jahre, ja Jahrzehnte sind seit dem ungeheuren Raubzug vergangen, an dem Unrecht und dem Leid der Betroffenen ändert dies nichts. Bitte prüfen Sie, ob Sie vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen können, damit auf diese Weise den Opfern ein klein wenig Gerechtigkeit widerfahren kann. Die erste Suchliste mit Österreichischen Raubopfern bei GenTeam.eu hat zur Restitution von Schriften und zur Abklärung von Dutzenden von Vorbesitzern geführt. Dafür und für die große und selbstlose Hilfsbereitschaft der GenTeam-Freunde sei ausdrücklich und ganz herzlich gedankt!


Leibl Rosenberg, M.A.
Beauftragter der Stadt Nürnberg für die Sammlung IKG In der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg Egidienplatz 23, Zimmer 207
90403 Nürnberg
(0049)-(0)911-231-22588

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