#1 RE: Die Sache mit den Ä-Stricherln von franz ferdinand 05.07.2013 13:02

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Liebe Forschergemeinde!

Ich habe vor einiger Zeit in einer mir nicht mehr erinnerlichen Quelle einmal gelesen, dass Ä-Stricherln in alten Matriken nicht einen Umlaut A anzeigen (also ein Ä wie in Säge), sondern vielmehr signalisieren, dass der Buchstabe wie ein offenes A ausgesprochen wird (also A wie in Hahn). Mit der Folge, dass Räschelpauer eigentlich Raschelpauer heißt und Moldäschl eigentlich Moldaschl. Dazu habe ich einige Fragen:

1. Stimmt diese Aussage und hat jemand Quellen oder Belege dazu?

2. Wie tragt Ihr so einen Namen in Eure Forschung ein - mit Ä, so wie es geschrieben steht, oder mit A, so wie es gesprochen wurde?

3. Wie unterscheide ich solche "offenes A"-Ä-Stricherln von einem tatsächlichen Umlaut-A? Es wird ja wohl auch Familiennamen gegeben haben, in den das Ä tatsächlich auch als Ä ausgesprochen wurde, oder?

Konkret habe ich nämlich die Situation, dass einerseits der in meiner Forschung bis heute vorkommende Name Moldaschl in einigen Einträgen "Moldäschl" geschrieben wird - hier ist es eindeutig, dass die Aussprache mit A erfolgt. Bei dem FN Räschelpauer, der bei mir erst im 17. Jh auftaucht und der immer mit Ä geschrieben wurde, weiß ich das andererseits hingegen nicht - der Name könnte als "Raschelpauer", aber genau so gut auch als "Räschelpauer" ausgesprochen werden.

Vielen Dank und liebe Grüße!
Martin

#2 RE: Die Sache mit den Ä-Stricherln von Gundacker 05.07.2013 13:10

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Hallo Martin!

1) habe auch diese Erfahrung gemacht, aber keine Quellen dazu.
2) Moldäschl trage ich als Moldäschl ein. Es gibt ja viele Situationen, wo sich ein Familienname Moldaschl zu Moldäschl UND Moldaschl weiter entwickelt hat. Ausserdem hat Aussprache mit Schrift nur bedingt zu tun - bei zB slawischen Namen ergäbe sich ja dann gleich das nächste Problem (Stepic - als Stepitsch einzutragen wäre verwegen).
3) ergibt sich aus 2

mit besten Grüßen,
Felix Gundacker

#3 RE: Die Sache mit den Ä-Stricherln von franz ferdinand 15.07.2013 10:01

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Vielen Dank, Herr Gundacker! Dann werde ich es auch in Zukunft als Ä eintragen, ausgenommen jene Namen, von denen ich mit Sicherheit weiß, dass sie heute mit A geschrieben werden.

LG Martin

#4 RE: Die Sache mit den Ä-Stricherln von waidlabua 27.06.2014 14:30

Der sprachgeschichtlich später entstandene Sekundärumlaut "ä" zu <a> wird im Bairischen generell als offenes <a> artikuliert, im Gegensatz zum Primärumlaut "e". Es heißt also
Gans, Sack/Sog (ohne Umlaut)
Gens, Seck (Pl., Primärumlaut)
Ganserl, Sackl, Sackerl (Diminutiv, Sekundärumlaut)

Wir müssten korrekterweise heute eigentlich statt "Schere" <Schär>, statt "schwer" <schwär> schreiben, dagegen statt "Bär" <Ber> usw. Die dialektalen (bairischen) Formen (Aussprachen) sind i.d.R. die historisch korrekten. Leider hat man dem im Zuge der schriftsprachlichen Normierung (die ja weitgehend nicht vom süddeutsch-bairischen Raum ausgegangen ist: DUDEN!) dies nur teilweise Rechnung getragen.
Eine gewisse Zeit lang hat man dementsprechend (im Bairischen) das helle (offene) <a> fast durchwegs als <ä> geschrieben, was sich auch in den Familien- und Ortsnamen niederschlägt.

Man kann also - zumindest für einen gewissen Zeitraum - sicher davon ausgehen, dass das <ä> in entsprechenden Namen wie <a> ausgesprochen wurde, also:
geschrieben - gesprochen (und heute auch meist so geschrieben)
Härtl - Hartl (nicht Hertl!)
Gähbauer - Gahbauer
Strähberger - Strahberger
Kärgl - Kargl
Rännä - Ranna
Rännäriedl - Rannariedl
usw.
(Diese und weitere Beispiele sind alle bei meinen Nachforschungen, hauptsächlich in den Pfarrmatriken von Esternberg und Vichtenstein vorgekommen.)

LG

Hans Kargl

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